TGURD #4 – Tue Gutes und rede darüber

Zeit zum Vorlesen – Ein Gastbeitrag von megaschoeneweide

„Ich weiß nicht, wie ich den Hasen machen soll“

Das ist einer der ersten Sätze, den ich heute Morgen höre. Er fällt als Mandy und Lars sich noch kurz besprechen, bevor die Kinder kommen.
Heute ist nämlich wieder ein TGURD-Tag (Tue Gutes und rede darüber), eine Aktion von Mandy Geddert und Lars Düsterhöft (mehr zum Hintergrund der Aktion gibt es HIER) und heute stehen wir in einer Kita in Johannisthal.

Die beiden lesen heute Vorschulkindern etwas vor. Die Kinder betreten den Raum, teils ausgestattet mit Kissen unter dem Arm und lassen sich auf großen Matten fallen. Alle sind neugierig, alle haben große Augen, fast so groß, wie der Wolf, um den es gleich gehen wird. Sie wissen heute kommen die „Vorleser“.

Das ist die Antwort die wir hören, als die Erzieherinnen fragen, ob sie wissen wer denn die Erwachsenen da im Raum sind. Die Vorleser haben zwei Geschichten mitgebracht: Rotkäppchen und der Wolf (etwas umgeschrieben) und eine Geschichte vom Rabe Socke. Ausgestattet mit kleinen Requisiten und verteilten Rollen, sind es schon fast Vorlesestücke: Mandy liest die männlichen Stimmen, Lars die weiblichen Stimmen.

Alle sind still. Mucksmäuschenstill. Etwas schüchtern. Mandy und Lars, beide sind selbst Eltern, sind gut gelaunt. Ehrlich gesagt, kenne ich die Beiden auch nur so: offen, mitreißend, energiegeladen. Und so wird auch hier das Eis schnell gebrochen. „Geht es euch gut?“ Es folgt ein “ JAAAA“ im schönsten Kinderchor. Die meisten Kinder sind 5, ein paar schon 6 Jahre alt. Das erste Lachen, noch etwas zögerlich, kommt prompt, als Lars sich für die Rolle des Rotkäppchen die obligatorische rote Kappe aufsetzt. Lauter wird es an der Stelle, als der Wolf, interpretiert von Mandy, das Rotkäppchen aka Lars angeht: „Damit ich Dich besser fressen kann“- die letzte Eisscholle schmilzt dahin.

Dann ist der Wolf tot. Applaus. «Kanntet ihr das Märchen?» «Ja, aber nicht so wie ihr es gemacht habt.»


Quelle: Pixabay Books Michael Gaida

Während sie bei der Geschichte von Rotkäppchen und der Wolf noch etwas verteilt sitzen, rücken sie bei „Alles erlaubt? Oder: Immer brav sein, das schafft doch keiner“ vom frechen Rabe Socke näher zusammen – auch näher heran an Mandy und Lars. Manche kuscheln sich in ihre Kissen, manche aneinander, manche an ihre Erzieherinnen.

Ich höre und gucke zu: Es ist schön, in kullerrunde strahlende Kinderaugen zu sehen. Zu sehen, wie sie gebannt den Geschichten lauschen. Aber am schönsten ist das Kinderlachen. Das Glucksen, das auf die Schenkel klopfen, besondern beim frechen Rabe Socke und seinem „Bitte. Danke. Tschüss.“

Am Ende der beiden Geschichten fallen alle Berührungsängste, die Kinder berichten Lars und Mandy ausgiebig von ihren Lieblingsbüchern und die Erzieherin ergänzt, die Kinder dürfen ihre Bücher von Zuhause mitbringen, die dann vorgelesen werden. Auf die Frage welche Bücher sie selbst gerne zu Hause vorgelesen bekommen, antworten die Kinder: der Hase Klopfer und Mickey Mouse; Märchen und Connie sind auch beliebt, sowie Meerjungfrauen-/Einhörner- und Polizei-/Feuerwehr-Geschichten.

Bevor Mandy und Lars sich von den Kindern verabschieden, werden die Beiden sogar noch von einer Schar Kinderhände an den Füßen gekitztelt. Das kann nur ein Zeichen dafür sein, dass die beiden ihre Sache gut gemacht haben. So haben der Vorleser und die Vorleserin versprochen in einem halben Jahr wiederzukommen und der Gruppe eine neue Geschichte vorzulesen.

Ich selbst komme heute nicht in den Vorlesegenuß, freue mich aber sehr, dabei gewesen zu sein und Mandy und Lars, die ja selber nur auf Papier schauten, zu berichten, wie sehr die Kinderaugen geleuchtet haben und wie gebannt alle zugehört haben. Das Schönste heute war das Kinderlachen, am lautesten, als Lars den Hasen macht.

Er weiß also doch, wie er den Hasen macht.

Sollen Lars und Mandy auch in eure Kita kommen? Schreibt Lars Düsterhöft einfach an (Link zum Facebook Kontakt).

Ehrenamt

Ihr wollt selbst vorlesen? In der Kita meiner Tochter gibt es bspw. eine tolle und mega fesche Lese-Omi, die alle 2 bis 3 Wochen in eine der älteren Gruppen vorliest. Die Gruppe wird geteilt und nacheinander bekommt jede der beiden Gruppe etwas vorgelesen. Die Kinder bekommen so etwas Abwechslung, außerdem gibt es Kinder, deren Großeltern weit weg sind, die kuscheln sich gleich an die Omi. Die Erzieher können sich mit dem verbleibenden Teil der Gruppe noch intensiver beschäftigen. Die Lese-Omi, die selbst eine große Familie, einen Mann und eigenlich immer was zu tun hat, macht das Ehrenamt, weil sie auch mit über 70 etwas für die Gesellschaft tun will. Gerade für Kinder, für die wir ja alle irgendwie verantwortlich sind, wie sie sagt.
Lesen macht neugierig. Vorlesen auch. Glücklich macht es dazu.
Gründe genug, für dieses schöne und wichtige Ehrenamt: Einfach mal in einer Kita in der Nähe fragen. Tipps und Wissen (welche Bücher eignen sich) gibt es auch über das Netzwerk Vorlesen.
In unserer Nähe vermittelt bspw. die Agentur für Bürgerengagement in Niederschöneweide den Kontakt (siehe Foto).


Sreenshot der Website Netzwerk Vorlesen. Suche: Vorleseinitiative PLZ 12459

Text und Fotos von Leo (megaschoeneweide). Fotos durften im Inneren der Kita nicht gemacht werden. Daher gibt es nur die Fotos vor der Kita.

TGURD #3 – Tue Gutes und rede darüber

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein

Ein Teil eines biblischen Satzes, der zu einer Redensart wurde und in vielen Lebenslagen Anwendung findet. Er soll, so glaube ich, das Wesentliche beschreiben und meint doch sehr viel mehr. Ich möchte eben nicht nur satt werden, sondern auch gehört, geliebt, geachtet. Ich möchte dazugehören, ganz gleich, woher ich komme.

1993 wurde der Verein Berliner Tafel e.V. gegründet, mit der Absicht, einwandfreie Lebensmittel die kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums stehen zu sammeln und diese an bedürftige Menschen zu verteilen. Seither holen ehrenamtliche Mitarbeiter regelmäßig Lebensmittel von Supermärkten ab und bringen sie in eine der 45 Ausgabestellen von Laib und Seele.
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TGURD #2 – Tue Gutes und rede darüber

Ein Gastbeitrag unserer Freundinnen von megaschoeneweide, mit denen wir nun ganz offiziell kooperieren. Das heißt, dass zu jeder TGURD Aktion entweder die wunderbaren Damen des oben genannten Blogs oder wir berichten werden. Alle Aktionen können auf beiden Blogs verfolgt werden. Das finden wir ganz prima.
Los geht’s mit Leos Bericht zu unserer Aktion am 22.06.18.
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Am Ball sind alle Menschen gleich. Und zwar überall.

Fußballspielen verlangt keine gemeinsame Sprache, kein bestimmtes Geschlecht, keine besondere Herkunft. Es verlangt nicht mal einen Ball. Denn zum Spielen dienen auch Steine, Kastanien, zusammengeknotete Shirts oder Lumpen. Fußball fördert den sozialen Umgang – zumindest mehr als es die Spieler gegeneinander aufbringt – und die Teamfähigkeit.
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Reanimation & TGURD #1

As time goes by

Heute ist ein guter Zeitpunkt, um unseren Blog zu reanimieren. Lag er doch zu lange im Winterschlaf.

Wir haben nämlich viel zu erzählen. Darüber, wie es hinter den Kulissen von CharLe zugeht, was wir vorhaben, woran wir gerade knabbern, was uns bewegt oder ihr über uns sagt.
Täglich geschehen Dinge, die berichtenswert sind und doch erzählt sie niemand. Wir nehmen uns schlichtweg die Zeit nicht dafür, weil sie uns oft fehlt – so denken wir. Ich möchte das Thema gern aufbrechen und zwar heute. Unsere Zeit ist zwar immer noch knapp, vielleicht klappt es aber mit etwas mehr Disziplin und wir berichten wenigstens ab und an darüber, was uns bei CharLe bewegt oder wir so anstellen.
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